Bad Belzig, Burg Eisenhardt und St. Bricciuskirche im Hohen Fläming

Es geht in den Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg zur Kreisstadt Bad Belzig im Hohen Fläming.

Am südwestlichen Rand der Kreisstadt bildet Burg Eisenhardt auf dem Bricciusberg einen markanten Punkt im Ortsbild. An der Burg erwartete uns unsere Fremdenführerin in sorbischer Tracht mit dem dazu typischen Muff. Sie nahm uns auf eine Reise durch die Geschichte von Belzig mit.

Bad BelzigUrkundlich wird Belzig erstmalig im Jahr 997 unter dem Begriff „Burgward“ erwähnt. Als Burgward wurde im 10./11. Jahrhundert ein Gebiet bezeichnet, in dessen Mitte eine Schutzburg mit Lehensfunktion für die umliegenden Dörfer stand. Über 200 Jahre bis 1157 befand sich dann Belzig in den „heidnischen“ Händen der Slawen. Nachdem Albert der Bär Brandenburg zurückerobert hatte, kam u.a. Belzig im 12.Jahrundert in den Besitz der Askanier und das Gebiet um Belzig, der „Burgward“, wurde 1161 als Diözese dem Bistum Brandenburg unterstellt. Etwa 40 Jahre später tauchte dann erstmalig der Name des Grafen Siegfried von Belzig in der Geschichte auf. Der Graf ließ nun im romanischen Stil eine Steinburg errichten. Nach dem Tod des letzten Grafen von Belzig kam die Burg und das Umland zum Herzogtum Sachsen.

Im Jahr 1269 wurde dann ein sogenanntes „Oppidum“ Belzig als Marktsiedlung urkundlich erwähnt. Aus dieser Marktsiedlung entwickelte sich dann nach und nach die Stadt Belzig. Unter verschiedenen Besitzern wurde ab dem Jahr 1305 bis 1477 die Burg zu einer Festung ausgebaut. In dieser Zeit, nämlich 1358, erhielt Belzig das Stadtrecht. Im Dreißigjährigen Krieg um 1636 wurde die Burg stark zerstört. Kurfürst Johann Georg III. begann mit dem Wiederaufbau in den 1860ziger Jahren und weihte sie im Jahr 1691 neu ein.

Erst im 18. Jahrhundert fanden dann, hauptsächlich im Inneren der Burg, umfangreiche Umbauten statt. Im Jahr 1815 kam dann das Amt Belzig, da ausgedehnte Teile sächsischen Gebietes abgegeben werden mussten, als Zugewinn zu Preußen und wurde der Provinz Brandenburg zugeordnet. Teile der Burg dienten von 1815 bis 1845 dem Land- und Stadtgericht Belzig als Sitz. Ebenfalls zog im Jahr 1828 das neu gebildete Landratsamt des Landkreises Zauch-Belzig dort ein. Der Preußische König Friedrich-Wilhelm IV. ließ die Burg Eisenhardt im Jahr 1849 noch einmal restaurieren.

In der Zeit von 1936 bis 1945 residierte dann die Reichsschule Technische Hilfe in der Burg.

Danach, zu Zeiten der DDR, wurde die Burg von verschiedenen Einrichtungen, wie Berufsschule, Sonderschule, Musikschule, Schulküche, Jugendherberge, Jugendklub, Standesamt der Stadt Belzig, Heimatmuseum und einer Station Junger Naturforscher und Techniker genutzt.

Heute befindet sich in Burg Eisenhardt die Außenstelle des Standesamtes der Stadt Belzig, ein Heimatmuseum, eine Bibliothek mit Schwerpunkt Burggeschichte sowie ein Hotel.

Historisches zur Burganlage.
Der Grundriss der Burganlage ist von unregelmäßiger siebeneckiger Gestalt, die an allen Ecken mit Rondellen versehen wurde. Diese Rondelle dienten der Verteidigung, die Mauern waren verstärkt. In den Rondellen gab es Kammern mit Schießscharten, die den Einsatz von Festungsgeschützen ermöglichten. In dem Nord-Ost-Rondell gibt es eine acht Meter tiefe Zisterne. Sie diente als Wasserreservoir.

Burg Eisenhardt in Bad BelzigDie auffälligste Erscheinung der Burg ist der runde Turm im Innenhof, der sogenannte Bergfried. Er ragt 28 Meter hoch in den Himmel. Etwa in der Mitte befindet sich ein Geschoss mit Rundbogenöffnungen, diese dienen als Einstieg in den Turm. Im Untergeschoss befand sich das Verlies. Der Turm wurde im 13. Jahrhundert, in der damals traditionellen Bauweise, aus Feldsteinen errichtet. Die Ausbesserungsarbeiten im Jahr 1859, an der Nordwestseite des Turmes, wurden mit rotem Ziegelstein ausgeführt. Durch das Doppelturmtor mit Gewölbedecke und dem Torhaus betritt man die Burg. Es wurde als Wehrbau im 15. Jahrhundert aus Feldstein errichtet, aber schon von außen mit rotem Ziegelstein verkleidet. Im Jahr 1477 baute Arnold von Westfalen das Torhaus zu einem dreigeschossigen Jagdschloss aus. Es wurde komplett unterkellert. Die Kelleranlage bekam ein weit gespanntes auf schweren Quadratpfeilern ruhendes Tonnengewölbe und Schießscharten. Im Erdgeschoss lag die Burgküche, das heutige Museum.

Kriegsschäden erforderten zwischen 1685 und 1691 Sanierungsarbeiten. Die rondellartigen Flankentürme links und rechts neben dem Tor wurden dabei gekürzt, sodass nun alles unter ein einheitliches Dach passte. Der Schlussstein über der korbbogenartigen Tordurchfahrt zeigt das Wappen des Kurfürstentums Sachsen. Die frühere Zugbrücke verschwand und an ihrer Stelle entstand eine gemauerte Brücke aus Ziegelstein.

An die östliche Seite des Torhauses schließt sich das Salzmagazin an. Im 16. Jahrhundert zuerst als Getreidespeicher und später als Salzlager genutzt. Die Außenmauer der Burg diente als eine Wand, die restlichen Mauern entstanden aus Ziegelsteinen. Im Jahr 1930 wurde der Speicher zu Wohnungen umgebaut. Auf der westlichen Seite, neben dem Torhaus, entstanden zwei eingeschossige Bauten aus Ziegelstein. Im inneren Teil, dem Hof, stehen noch zwei weitere, verputze eingeschossige Ziegelsteinbauten und ein Burgbrunnen.

Daneben können heute noch die Grundmauern der Kernburg, ein romanischer Bau, weitere Gebäude und ein Palas  besichtigt werden. Das Niveau des Fußbodens der romanischen Burg lag cirka 3,5 Meter unter der heutigen Geländekante. Diese Burg wurde Anfang des 13. Jahrhunderts als Wehrbau errichtet. Rund 74 Meter der inneren 1,8 Meter breiten und fünf Meter hohen Ringmauer sind noch vorhanden.

Bei Ausgrabungsarbeiten im Jahr 1993 wurde dann noch ein dreigliederiger Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert entdeckt. Hierbei handelt es sich um die Burgkapelle.

St. Bricciuskirche
Im Bereich der Vorburg, etwa 50 Meter südwestlich von der Burg Eisenhardt entfernt, befindet sich ein wahres Kleinod, das kleine Kirchlein St. Briccius. Der Schutzherr, Patron, der Burgkirche ist der Heilige Briccius von Esch aus dem heutigen Belgien.

St. Briccius-Kirche in Bad BalzigUrkundlich erwähnte wurde die Bricciuskirche erstmalig im Jahr 1186. Es handelte sich dabei um eine Urkunde des Brandenburgischen Bischofs Balderam. Die Kirche war zuerst nur ein rechteckiger Feldsteinbau. Im Jahr 1361 stiftete die Familie von Oppen den Marienaltar. In den Unterlagen wird im Jahr 1450 noch ein Altar für die Heilige Magdalena erwähnt.

Anfang des 15. Jahrhunderts wird die Kirche um einen fünfseitigen Chor in Backstein und dem Kirchturm ergänzt. Bei dem Kirchturm gibt es eine Besonderheit. Üblich war in dieser Region, dass der Turm westlich angeordnete wurde, hier liegt der Turm genau über dem Altarraum im Osten. Starke Pfeiler an den Außenmauern machten die Kirche wehrhaft. Die Kirchenvisitation erfolgte im Jahr 1530 durch Dr. Luther. Eine kurzzeitige Umbenennung der Kirche in „Heilige Geist Kirche“ wurde wieder revidiert. Nach einer größeren Sanierung konnte die Kirche am 10.07.1619 erneut geweiht werden.

Die Kirche wurde im Dreißigjährigen Krieg verwüstet und 1663 wieder aufgebaut.

Durch das Gemeindeportal im Nordwesten geht man in die Kirche. Es gibt noch einen zweiten Eingang im Nordosten, das sogenannte Priesterportal. Das wird heute auch noch genutzt. Als Erstes fällt dem Besucher die mit floralen Elementen bemalte Flachdecke aus dem Jahr 1663 auf. Das Auge Gottes umgeben mit Engelsköpfen ist Blickfang im Chor. Die Bildgestaltung der Kanzel stammen von 1861 und stellen die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sowie den Apostel Paulus dar. Die Kanzel selber wurde schon im Jahr 1665 gefertigt.

Ebenfalls im Jahr 1861 entstand der hölzerne Altaraufsatz. Als Motiv im Hauptfeld wurde „Jesus in Gethsemane“ gewählt. Ein weiteres Motiv ist „Christi Himmelfahrt“. Im Altarraum befindet sich ein Kindergrabstein von der 1576 verstorbenen Elisabeth Gruner. Diesen Grabstein, der als Altarstufe genutzt wurde, fand man 1903 bei Sanierungsarbeiten. Da der kleinen Kirch noch eine Glocke fehlte, spendierten 1618 Hans und Andreas Falkenröder eine Glocke. Heinrich Borstelmann aus Magdeburg goss in seiner Werkstatt die Kirchenglocke.

An der Nordwand fallen dem Besucher zwei Epithapien – Gedenksteine – auf. Hierbei handelt es sich einmal um den Gedenkstein für Hennig von Falkenreder, gestorben 1606 und einem weiblichen Mitglied der Familie von Königsmarck.

Die Dachbalken und Innenausstattung stammen aus dem 17. Jahrhundert, aber die heutige Farbgestaltung von 1905/06. Die Orgel wurde 1949 in der Orgelwerkstatt Alexander Schuke Potsdam gebaut und bekam ihren Platz auf der Westempore.

Die Kirche befindet sich heute im Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde St. Marien – Hoher Fläming Belzig.

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