Besuch des Schiffshebewerks in Niederfinow


Der Wettergott war der AWO gnädig und bescherte ihr im Mai 2015 schönstes Wetter. So konnten die Senioren beruhigt von Woltersdorf aus zum Schiffshebewerk nach Niederfinow fahren.

DSiemens Treidelloka die Berufsschifffahrt noch im Schiffshebewerk steckte, kurvte unser Kapitän des kleinen Ausflugsdampfers Baron Münchhausen II noch ein bisschen auf dem Kanal herum. Wir konnten die Umrisse des neuen Schiffhebewerks besichtigen. Gerade wurden die riesigen Laufrollen per Kran herangebracht. Dann ging es los, einmal mit dem Boot im Trog des Hebewerkes und dann ging es ganz gemütlich nach oben. Dasa Schleusentor öffnete sich und es gab einen Aufschrei. Das Wasser tropft von dem Tor und die Fahrgäste in der vorderen Reihe des Dampfers wurden etwas geduscht. Nun ging’s raus in den Kanal. Auf der linke Seite konnten noch die Schienen der Treidelanlage gesehen werden, auf der noch eine alte Siemenslok, die dem Treideln gedient hatte. Noch ein kurzer Abstecher bis Gabelung des Kanals, da wo später die Schiffe aus dem zweiten Hebewerk hineinfahren werden, dann ging’s zurück und unser Dampfer schwebte, die unvermeidliche Dusche beim Öffnen des Schleusentores inbegriffen, im großen Bottich des Hebewerkes wieder nach unten. Ein imposantes Erlebnis.

Einige Daten zum alten Schiffshebewerk am Hohenzollernkanal. Innerhalb von acht Jahren, von 1926 bis 1934 entstand ein 60 Meter hohes, 94 Meter langes und 27 Meter breites Stahlgerüst. Dieses Gerüst besteht aus 14.000 Tonnen Stahl, der mit etwa fünf Millionen Nieten zusammengehalten wird und auf Stahlpfeilern steht. Das Ganze steht auf stahlbewerten Beton, der in 22 Meter Tiefe eingebracht wurde und auf einer vier Meter dicken Grundplatte.

Der Trog selber ist 85 Meter lang und 12 Meter breit und hat eine Wassertiefe von 2.50 Meter. Die Konstruktion wird von 256 Stahlseilen mit einem Durchmesser von 52 mm getragen. Umlenkrollen, versehen mit 192 Ausgleichsgewichten aus Beton mit einem Gesamtgewicht von 4.290 Tonnen, das entspricht dem Gewicht des Troges bei voller Füllung, balancieren den Trog aus. Seilgewichtsausgleichsketten und Spannvorrichtungen bewirken die Sicherheit der Führung der Stahlseile, so dass immer nur die Hälfte der Seile den Trog tragen und die andere Hälfte ungespannt als Reserve fungieren. Für den Trogantrieb werden nur, dank dieser genialen Technik, vier Elektromotoren aus dem Jahr 1935 mit jeweils 75 PS benötigt, um die Kähne von oben nach unten oder umgekehrt zu befördern.Altes Schiffshebewerk in Niederfinow

Der Trog mit einem Füllgewicht von 4.290 Tonnen, kann entweder vier Kähne von je 225 Tonnen gleichzeitig oder einen 1.000 Tonnen-Kahn aufnehmen. Die Fahrt im Trog beträgt Maximum fünf Minuten. Dabei wird ein Höhenunterschied von 36 Metern bewältigt. Die gesamte Schleusung dauert etwa 20 Minuten. Diese Schleusung arbeitet gegenüber einer normalen Schleuse ohne Wasserverlust. Am 21. Mai 1934 wurde das Schiffshebewerk in Betrieb genommen. Es ist bis heute das älteste Schiffshebewerk, das noch in Betrieb ist.

Irgendwann stieß man aber an die Grenzen der Leistungsfähigkeit, sprich Troglänge, so dass im Jahr 1997 ein neues Hebewerk beschlossen wurde.

Das neue Schiffshebewerk soll 2016 in Betrieb gehen.
Im Jahr 2006 wurden die ersten Erdbewegungen zwischen dem Alten und der Stelle für das neue Hebewerk vorgenommen. Die Grundsteinlegung erfolgte dann am 23. März 2009.
Neues Schifsshebewerk 2015 in Niederfinow in BauDie technischen Daten:
Lage: Landkreis Barnim, Havel-Oder-Wasserstrasse km 77,890

Hauptabmessung Schiffshebewerk: Höhe über Gelände 54,55 Meter, Breite 46,40 Meter und Länge 133,00 Meter.

Hauptabmessung Trog: Gesamtlänge 125,50 Meter davon eine Nutzlänge von 115,00 Metern, Gesamtbreite 27,90 Meter davon Nutzbreite von 12,50 Metern, Wassertiefe 4,00 Meter Gesamtgewicht mit Wasser 9.800 Tonnen.

Antrieb: 4 x 2 Elektromotoren mit je 160 kW, das sind 1280 kW insgesamt.
Materialien: Beton und Stahlbeton etwa 65.000 Kubikmeter, Bewehrungsstahl etwa 8.900 Tonnen, Spundwandstahl etwa 40.000 Quadratmeter und Erdbewegungen etwa 400.000 Kubikmeter.

Nach soviel Technik hatten wir uns eine Pause verdient. Mit dem Bus fuhren wir zur Ortschaft Falkenburg. Dann ging es noch ein kleines Stückchen zu Fuß hoch bis zur Carlsburg.
Auf der Terasse bei Kaffee und Kuchen genossen wir dann den weiten Blick über das Tal.

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