Von Woltersdorf nach Ueckermünde am Stettiner Haff mit der AWO

Morgens um 7:00 Uhr, vorm Aufstehen, standen wir am Busbahnhof in Woltersdorf am Thälmannplatz. Der Tag fing gut an, das Wetter versprach gut zu werden und der Bus war pünktlich zur Stelle. Händeschütteln, rein in den Bus und sich für den Tag einrichten und schon ging es in flotter Fahrt los, unserem Ziel, der Ostsee oder ganz präzise dem Stettiner Haff entgegen.

Botanischer Garten in der Ueckermünder Heide

Die erste Pause legten wir in Luckow mitten in der Ueckermünder Heide ein. Dort haben Walter Kapron mit Manfred Gensenberg mit großem Geschick einen botanischen Garten, den „Christiansberg“ angelegt. Mit diesem gelungenen Garten, der sich über eine Fläche von rund 20.000 Quadratmetern ausdehnt, ging ein lang gehegter Traum der Gärtner in Erfüllung. Die zahlreichen Beete bieten viele einheimischen Blumen, Stauden und Sträucher, darunter wunderschöne Raritäten, platz. Im Schatten, viele Sorten von Funkien. Die Pfingstrosenblüte war noch in vollem Gange, die rund 500 verschiedenen Sorten, zeigten sich von ihrer schönsten Seite. Die Magnolienblüte ging zu Ende, die 180 Sorten kamen dadurch nicht mehr so richtig zur Geltung.

Wer ein wenig rasten wollte, konnte in den liebevoll gestalteten Pavillons verweilen. Wir fanden eine Bank am Froschteich. Enten und Frösche quakten um die Wette. Fische tauchten auf und zeichneten kreisrunde Wellen. Über dem Idyll zogen Libellen ihre Bahn.

Die schönste Pause geht einmal zu Ende und weiter ging’s durch den Heidegarten mit seinen 40 Sorten. Wachholder und Zwerggehölze lockerten die Szene wirkungsvoll auf.

Im Alpimium fanden wir Gebirgspflanzen, Edelweiß, Enzian, Steinbrech und Primeln.

Nach soviel schönen und gut riechenden Eindrücken ging es zurück zum Bus und weiter Richtung Stettiner Haff.

Dort stürmte die Reisegruppe, der Magen knurrte, Hunger in den Augen, das Hotel Haffhus. Über die Bewirtung gab es nichts zum Klagen. Das Servierte schmeckte. Es gab für die Fischfreunde einen Buntbarschteller und eine Stettiner Haff am Hotel HaffhusKapitänsmahlzeit, mit verschiedenen Fischsorten. Wer keinen Fisch mochte, für den gab es Fleisch oder auch Bratkartoffeln mit Spiegeleiern.

Nach dem Essen hatten wir noch einen Moment Zeit auf der Liegewiese des Hotels auszuruhen oder die reetgedeckten Häuser der Hotelanlage anzuschauen.

Ein weiteres Reiseziel stand auf dem Plan und so machten wir uns auf nach Ueckermünde. Wir hatten noch Zeit, die Floßfahrt stand erst in einem Stündchen an. Jeder konnte sich nun auf eigene Faust in der Stadt umsehen.

In der gut erhaltenen Altstadt lockten die alten Fachwerkhäuser. Enge Gassen führten rechtwinklig von der Hauptstraße nach irgendwo. Wir passierten eine Kirche, gleich dahinter ein sehr schöner mittelalterlicher Marktplatz mit einem Kaffee und einer Eisfahne. Nichts wie hin, drei Kugeln Schokolade, nee gibt’s nicht, ist ausgegangen. Egal, ich zeige auf eine nicht genau definierbare Sorte. Die Eiszange sticht in das Undefinierbare, ein Klumpen der Masse springt gegen die Scheibe des Tresens. Die Verkäuferin spachtelt mit viel Mühe meine drei steinharten Kugeln aus dem urzeitlichen Eis in die Waffeltüte. Ich hätte es lieber nicht vertilgen sollen, es dauerte nicht lange und mein Magen meldete mir, dass er recht verstimmt sei.

Auf zum schönen Hafen. Unser bestelltes Floß wartete schon. Von oben sah ich auf die lange Reihe von Tischen, gedeckt mit Kuchentellern und Kaffeetassen. Jeder suchte sich ein Plätzchen und dann ging es schon los. Gemütlich glitt das große Floß kunstvoll gesteuert vom Skipper die nächsten 2,5 Stunden über die Uecker. Dieses Floß hat an Bug und Heck je einen Motor, weil es zu lang ist, um auf der recht schmalen Uecker wenden zu können.

Eine grüne Flusslandschaft, unterbrochen von Biberburgen und einem Schiffsfriedhof, zog vorüber. Zu dem Schiffsfriedhof mit seinen drei abgesoffenen Stahlkähnen erzählte der Skipper, dass irgendwann vor langer Zeit mit der Fischerei nichts mehr zu verdienen war. Die Fischer verließen ihre Kähne und die sanken mit der Zeit zum Grund. In den Achtzigern gab es in der DDR eine Aktion „FDJ macht Schrott“ und da versuchte die NVA, die Kähne mit Panzern an Land zu ziehen. Als dann eines dieser Schwergewichte im Uferschlick abzusaufen drohte, gab das Bergungskommando auf.

Auch mit Witzen und Anekdoten geizte der Skipper nicht. Leider alles schnell wieder vergessen. Die Sonne brannte uns auf den Pelz und so waren wir zufrieden, als der Hafen wieder in Sicht kam. An der Landungsbrücke wartete schon unser Bus, um die Heimfahrt anzutreten. Es war ganz schön anstrengend, aber schön gewesen. Ich war bestimmt nicht das letzte Mal hier gewesen.

Im Anhang noch etwas zum Seebad Ueckermünde.

Seebad UeckermündeDas Seebad Ueckermünde liegt weit im Osten von Mecklenburg Vorpommern im Landkreis-Vorpommern-Greifswald an der Uecker, die im Stettiner Haff mündet, und ist eine amtsfreie Hafenstadt. Die nächstgrößere Metropole Stettin befindet sich auf polnischem Boden.

Die Umgebung ist fast eben, sodass, wie der Ostfriese sagt, man den Besuch schon Kilometer weit vorher sehen könnte, wenn, ja wenn nicht die Ueckermünder Heide, das größte Waldgebiet Vorpommerns mit über 50 Kilometern, die Sicht versperrt.

In der gut erhaltenen Altstadt gibt es noch sehr viele Baudenkmäler und weitere Besuchsziele, wie das pommersche Residenzschloss, der Tierpark und das Strandbad am Stettiner Haff.

Jetzt noch ein bisschen Geschichte. Der Name stammt vom wendischen „Ukrer“ ab. Das war eine slawische Völkerschaft, die vor 1200 im Einzugsgebiet der Uecker wohnten. Bereits im Jahr 934 spricht Widukind von Corvey von einem slawischen Stamm der Uchri.

Im Jahr 1178 wird der Name Ucramund erstmalig in Urkunden erwähnt. Im Laufe der Jahre wandelt sich der Name noch ein paarmal von Ukeremund in Ukeremunde und dann 1284 in Ukermunde.

Im 13. Jahrhundert entsteht die Stadtbefestigung, mit Stadtmauern und zwei Toren. Große Teile der mittelalterlichen Stadt und die Kirche wurden im Jahr 1473 ein Raub der Flammen.

Zweimal wurde die Stadtkirche St. Marien erbaut. Zuerst als spätgotische Stadtkirche und im Jahr 1753 wurde sie abgerissen, um einem Neubau zu weichen.

Von 1540 bis 1546 erbaute dann Herzog Philipp I. die vier Flügel des Schlosses. Die Fertigstellung der gesamten Anlage mit Marstall, Kapelle und Wirtschaftsgebäude dauerte bis zum Jahr 1551.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt fast komplett zerstört. 15 von 1600 Einwohnern überlebten das nur. Danach wechselten die Besitzer häufiger. Bis im Jahr 1631 der Brand wieder zuschlug und ca. 40 Häuser darunter auch das Rathaus zerstörte. Bis zum Jahr 1639 gab es nur noch 10 Häuser. Als im Jahr 1648 der Westfälische Friede geschlossen wurde, ging der Ort in schwedischen Besitz über. Königin Christina von Schweden beschloss nun, in die Orte der Gegend Finnen und Livländern anzusiedeln.

Der nächste Besitzwechsel fand im Verlauf der Großen Nordischen Kriege statt, Preußen übernahm nach einer Zahlung von vierhunderttausend Taler die Verwaltung des Gebietes. Für rund zwei Millionen Taler kaufte Preußen im Jahr 1720 noch Vorpommern mit Stettin, Usedom und Wollin dazu. Damit wurde Ueckermünde preußisch. Im selben Jahr noch wurde, bis auf den Südflügel, das Schloss und auch der Burgfried abgerissen.

Anfang des 18. Jahrhunderts erfreute sich Ueckermünde zahlreichen Besuchs namhafter Persönlichkeiten, wie der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., König von Polen und Kurfürst von Sachsen August III, König von Polen Stanislaus I. Leszczynski und der russische Zar Peter der Große.

Das Bäumchen wechsel Dich Spiel ging munter weiter. Die Schweden nahmen 1761 wieder Besitz von der Stadt, richteten ihre Kommandantur im Schloss ein und rissen 1766 die gotische Kirche ab und ersetzten sie durch einen Neubau. Dann kamen im Jahr 1806 die Franzosen. Mittlerweilen lebte die einheimische Bevölkerung wie schon ihre slawischen Vorfahren wieder vom Fischfang.

Am Ende des 18./Anfang 19. Jahrhunderts ging es mit Ueckermünde aufwärts. Es wurde Raseneisenerz gefunden und damit entstanden Eisenerzgießereien und auch rund 50 Ziegeleien. Ueckermünde mauserte sich zu einem bedeutenden Umschlagsplatz und auch der Schiffsbau kam in Schwung. Insgesamt liefen von 1781 bis 1795 rund 102 Schiffe vom Stapel.

Die preußische Verwaltungsreform schloss nun im Jahr 1818 verschiedene Orte zum Kreis Ueckermünde mit 832 Quadratkilometern und 24.000 Einwohnern zusammen. Worauf Ueckermünde 1819 zur Kreisstadt ernannt und es durchgängig bis 1994 blieb.

Die Entwicklung schritt stetig voran. Im Zweiten Weltkrieg wurde in Ueckermünde unter dem Tarnnamen „See I“ Sprengstoff in der Sprengstofffabrik produziert.

Dank der kampflosen Übergabe der Stadt 1945 entging sie Kriegszerstörungen. 1950 wurde das Haffmuseum und 1962 der Tierpark eröffnet, der über 400 Tiere in 120 Tierarten beherbergt.
Die Altstadt blieb auch zu DDR-Zeiten unzerstört, obwohl es doch erhebliche Bauschäden aufgrund des jahrzehntelangen Instandhaltungsrückstandes gab. Die Restaurierung der Altstadt mit dem Südflügel des Schlosses wurde 1991 im Rahmen der Städtebauförderung in Angriff genommen. Des Weiteren entstand der Jachthafen mit 400 Liegeplätze, Hotels, Ferienwohnungen und Geschäfte. Im Jahr 2001 erhielt dann Ueckermünde den Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“.

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