Lina Morgenstern und Vanillin

Kochrecepte von Lina Morgenstern Mein Enkel besuchte mich in Woltersdorf. Meine Sammlung von Kochbüchern interessierte ihn sehr. Bei der Kramerei fiel mir auf einmal ein kleines Heftchen in die Finger. Es hieß: „Kochrecepte mit Anwendug von Haarmann & Reimers patent. Vanillin“ Herausgeberin war Frau Lina Morgenstern.

Bei Wikipedia wurde ich fündig. Dieses Büchlein muss so um 1892 herausgegeben worden sein. Die Firma Haarmann & Reimer existiert in veränderter Form heute noch. Frau Lina Morgenstern war damals eine sehr bekannte und rührige Frau, die unter anderem auch Kochbücher verfasste.

Die Einleitung, geschrieben von Lina Morgenstern, fand ich sehr interessant. Hier ein Auszug:

„Für denkende Hausfrauen. Die Vanille ist eines der feinsten, wohlschmeckendsten und aromareichsten Gewürze, weshalb die feinere Kochkunst sie auf die mannigfaltigste Art verwendet. In der bürgerlichen Küche hat sich die Vanille dagegen noch kein Heimathsrecht erworben, trotzdem sie der einfachsten Milchsuppe und dem billigsten Gebäck Reiz verleiht…………Nicht, dass wir in unserem Klima die fertigen Vanille-Schoten pflücken können, aber durch die bedeutende Erfindung zweier deutscher Forscher, des Dr. W. Haarmann in Holzminden und des Professors Dr. Ferd. Tiemann an der kgl. Universität in Berlin, lässt sich der Körper, welcher allein das Aroma in der Vanille-Schote bewirkt, künstlich aus leicht zugänglichen Naturstoffen hervorrufen. Was uns die spröde Natur in unseren Breitengraden versagt hat, das ringt ihr in heissem Drang nach Erkenntnis der Forscher ab…….In der weichen Masse, die sich zwischen Rinde und Stamm unserer Tannen im Frühjahr abscheidet, wurde ein farb- und geruchsloser Körper entdeckt, das Coniferin. Derselbe ward der erste Ausgangspunkt zur künstlichen Herstellung des Vanillin.“

Heute ist der Vanillezucker in der Küche nicht mehr wegzudenken.

Hier einige Originalrezepte von Lina Morgenstern:

Vanillen-Suppe:
Zwei Liter frische Milch koche man mit 70 Gramm Zucker auf, quirle in einem Töpfchen 5 Eigelb mit einem Päckchen Vanillin (Anmerkung: Vanillezucker) und legire die Suppe, die nun nicht mehr kochen darf. Die Weissen der Eier mit 80 Gramm Zucker und einem halben Päckchen Vanillin dick zu Schnee geschlagen, auf eine Schüssel 2 Finger dick aufgestrichen und bei gelinder Hitze gebacken. Ehe man die Suppe servirt, sticht man Klöschen von der Masse mit dem Löffel ab, die auf der in die Terrine gegossenen Suppe anrichtet.

Vanillen-Soufflé:
Zehn Eidotter rührt man mit 200 Gramm Zucker zu Schaum, fügt 1/4 Liter Weisswein oder süsse Sahne und 1 Prise Salz dazu, schüttet ein Päckchen Vanillin in die Masse, zu der man den steifgeschlagenen Schnee der Eiweiss und 16 Gramm feinstes Kartoffelmehl mischt. Schnell wird die Masse in eine Soufflé-Form gegossen und bei mässiger Hitze 1/2 Stunde gebacken. Vanille-Zucker – nach Recept 39 – wird darüber gestreut und das Soufflé zur Tafel gebracht.

Recept 39 – Bestreu-Zucker:
Zur Herstellung des früher gebräuchlichen Betreu-Zuckers verreibt man ein Päckchen Vanillin mit 1/4 bis 1/2 Pfund Staubzucker. (Anmerkung: heute Puderzucker)

Wer noch mehr Rezepte mit Vanillezucker haben möchte, kann sich gerne an mich wenden.

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