Mittelaltermarkt in Werbellin


Im Örtchen Werbellin tummelte sich dieser Tage ein seltsames Völkchen. Der Marktvogt Fabian und Mara von Werbellin haben zum fünften Mittelaltermarkt vom 25. bis 26. Oktober eingeladen. Zahlreiche Besucher folgten dieser Einladung zu einer spannenden Reise in die Vergangenheit.

Wie lebte es sich im Mittelalter, diese Frage konnte hier auf der Stelle beantwortet werden. Die mittelalterlichen Handwerker zeigten, wie ein Bogen gebaut wird. Die Kinder konnten sich an einer Armbrust versuchen. Das spannen der Armbrust und das zielen, war, wie sich dabei herausstellte, gar nicht so einfach. Wer Lust und Laune hatte, versuchte sich beim Bogenschießen. Auch ein Schwertkampf war vorgesehen.

Dieses Jahr war auch der „Wilde Westen“ vertreten. Es gab Cowboys, Trapper und einen Sheriff, trotzdem lebten alle friedlich nebeneinander her.

Plötzlich Alarm. Die Glocken läuteten Sturm. Die Männer rannten Richtung Tor. Dort wurde schon gekämpft und es gab die ersten Toten. Fremde Horden hatten versucht, die Festung zu erobern. Der Angriff wurde zurückgeschlagen.

Die Toten erholten sich wieder und eine Musikantengruppe spielte auf ihren Dudelsäcken, dazu wurde getanzt. Dann neues Getöse. Ein Knappe schrie, rettet Euch, der Pestdoktor kommt. Ein schrecklich aussehender Mann, dessen Kopf mit einer braunen Maske, aus der eine überlange Nase hervorstach, kam auf uns zu. (Schaut Euch den Burschen im Video an)

Bei der großen Pestepidemie im Mittelalter traten diese Doktoren das erste Mal auf. Die lange, spitze Nase war als Abstandshalter gegenüber den Pestkranken gedacht. In diese Nasenverlängerung hatten die Pestärzte Schwämme mit Duftaromen wie Gewürznelken oder Zimt gestopft. Die Augen wurden durch dunkle Glasscheiben geschützt. Damals war man der Annahme, dass die Pest durch üble Luft und menschliche Blicke übertragen wird. Gut ausgebildete Ärzte waren sie nicht. Selbst Händler, die sonst nicht so richtig auf einen grünen Zweig gekommen waren, gaben sich als Pestdoktoren aus. Viele Doktoren starben selber an der Pest, sodass sie mit der Zeit rar wurden. Manchmal wurden sie deshalb schon entführt.

In einem kleinen Interview erklärte Mara von Werbellin (im nicht mittelalterlichem Leben, die Besitzerin des Reiterhofs in Werbellin) das ihr vorschwebe, irgendwann den Bogen dieser Veranstaltung vom Urbeginn des Menschen bis zur heutigen Zeit zu spannen.

Noch eine kleine, aber traurige Geschichte am Rand. Am Abend des 25. Oktober also am Samstag, hat gegen 21:00 Uhr ein Feuerpfeilschießen stattgefunden. Dieses Schießen soll an einen kürzlich verstorbenen Kameraden erinnern. Jeder Pfeil kostete zwei Taler (Euro) und das eingenommene Geld soll dann dem Sohn des Verstorbenen für seine Ausbildung zur Verfügung gestellt werden. Vor soviel Kameradschaftsgeist kann ich nur den Hut ziehen.

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