Die „Alte Schule“

„Die Schule zu Woltersdorf stand in früherer Zeit unter dem Patronat des Magistrats von Berlin, da die Stadt Berlin Eigentümerin des Rittergutes Woltersdorf war.“
 
Mit diesem Satz beginnt die Schreibung der alten Schulchronik im Jahre 1859. Im Prolog zu der in die heute übliche Schrift übertragene Schulchronik heißt es: Es ist urkundlich nicht belegt, seit wann in Woltersdorf eine  Schule besteht.

 
Für die Zeit von 1715 – 1720 wird in der Dorfchronik von Max Haselberger Michael Gericke als erster Schulmeister in Woltersdorf benannt.

 
Ab 1721 folgt als Küster und Lehrer Johann Georg Krüger, Schneidermeister. Er erbaut im gleichen Jahr das erste Schulhaus aus eigenen Mitteln, erhält aber laut Dingetagsprotokolle im Berliner Stadt-Archiv etwa 30 Rthlr von der Gemeinde erstattet. Dieses „Küster Hauß“ wird im Berliner Stadt-Archiv 1799 als „baufällig“ benannt, „was keine Reparatur mehr verdiene“.
Das 2. Schulhaus wird 1800 errichtet. Max Haselberger fand dazu im Geh. Staats-Archiv folgenden Grundriss:

 

Woltersdorf Alte-Schule 1

Am 31. Mai 1851 wurde „der hiesige Ort von einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht“, das 2. Schulhaus brannte nieder.
Im Jahre 1852 konnte der Lehrer Kühne mit seiner Familie in das neu gebaute einstöckige 3. Schulhaus einziehen. Dieses stand bis 1881.

 
Bei steigender Schülerzahl reichte der vorhandene Schulraum nicht mehr aus, das Schulhaus musste abgerissen werden.
Der Bau des 4. Schulhauses begann im gleichen Jahr, welches 1882 „an der Stelle des abgebrochenen alten“ steht.
Die im Fundament des 4. Schulhauses bei der Grundsteinlegung eingemauerte „Blechbüchse“ legte der Woltersdorfer Verschönerungsverein am 02.02.2011 frei, um die durch die Schulchronik benannten Dokumente für die neue Ausstellung im Museum aufzubereiten (hierzu gibt es einen separaten Artikel).
Woltersdorf Alte-Schule 2           Woltersdorf Alte Schule 3   

 
Dieses Schulhaus war linksseitig – von der Hofseite aus betrachtet – zweigeschossig (zwei Lehrerwohnungen) und rechts eingeschossig – zwei Klassenräume.
Der Unterricht begann nach Ostern 1882.
„Die höchste Schülerzahl betrug 155. Die Oberstufe zählte 32 Knaben und 47 Mädchen, die Unterklasse 33 Knaben und 43 Mädchen.“
Da die Schülerzahl ständig zunahm, musste 1891 ein Schulerweiterungsbau vorgenommen werden. Der rechte Teil des Gebäudes bekam ein zweites Stockwerk, dadurch konnte in zwei weiteren Schulräumen unterrichtet werden.
Eine Podesttreppe ersetzte die Wendeltreppe im Treppenhaus, im Dachgeschoss entstand eine kleine Wohnung für den dritten Lehrer.
 
 
Im Schuljahr 1908/1909 installierte die Kirche eine Niederdruckdampfheizung, der Kessel dafür stand im Keller des Schulhauses. Auch die Schule erhielt gleichzeitig eine Dampfheizung. Die Folge war, dass der Hauptlehrer seine im Schulhaus gelegene Wohnung zum 1. April 1909 räumen musste, wofür ihm von der Gemeinde eine Mietentschädigung von 500 M (Jahr) gewährt wurde.

Das Schuljahr 1909/1910 begann mit 455 Schülern, eine Erweiterung der Schulräume war notwendig. Ein weiteres Klassenzimmer konnte eingerichtet werden.
Seit 1909 gab es in Woltersdorf eine sechsstufige Volksschule mit zwei parallelen fünften und sechsten Klassen und sechs Lehrern.

Im Schuljahr 1929/1930 gab es 348 Schüler, 11 Klassen, aber nur acht Schulräume, so dass die 2. und 3. Klasse zusammengelegt werden mussten.

 
Diese Eintragung in der Schulchronik lässt erkennen, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt keine Lehrer mehr in der Alten Schule wohnen konnten.
Lediglich das Dachgeschoss wurde für den „Hausdiener“ benötigt.

 
In diesem Schulhaus unterrichteten die Lehrer bis Ende 1944.
Am 6. Januar 1945 wurde die Alte Schule durch den „hiesigen Volkssturm“ belegt, seit 26.2.1945 „erscheinen die Kinder täglich 1 Stunde zum Appell!“
Laut Schulchronik wird die Schule am 18. April wegen „Gefährdung der Kinder durch Fliegerangriffe mit Bordwaffen geschlossen. Der Schulrat ist dementsprechend benachrichtigt“.
Am 21. April 1945 erreichten die ersten Einheiten der Roten Armee Woltersdorf. Durch Artilleriebeschuss entstanden große Schäden an der Kirche und an der gelben Klinkerfassade der Schule, diese erhielt deshalb in den 60er Jahren Putz.
Im Juni 1945 konnte der normale Schulbetrieb in der Alten Schule wieder aufgenommen werden.

 
Während der DDR-Zeit fand in diesem Gebäude in der Regel der Unterricht für die Klassenstufen 1 bis 4 in acht Klassenräumen statt. Ein zusätzliches Gebäude mit  „Milchküche“ und einem Klassenraum, der auch vorübergehend als Speiseraum für die Klassen 1 bis 4 genutzt wurde, entstand in den 60er Jahren auf dem Gelände der Alten Schule (nach der Wende abgerissen).

Wegen sehr hoher Schülerzahlen musste zeitweise Schichtunterricht, auch bis zur 5. Klasse, in diesem Gebäude erteilt werden. Im Jahr 1971 betrug z.B. die durchschnittliche Klassenstärke 31 Schüler, die 3. und 4. Klassen waren vierzügig.

Der Ausbau der  linken Seite des Dachbodens zu zwei Horträumen erfolgte 1975, das der Schule gegenüberliegende alte Wohnhaus wurde zu zwei weiteren Klassenräumen umgebaut (heute der Senioren-Club) mit darüberliegendem Frühhort. Wo heute der Rathausneubau steht, entstanden damals zwei Werkräume und eine Jugendzahnstation. Der anschließende große Garten (heute Parkplatz mit Garagen) war ein wunderschönes Spielgelände für die Hortkinder der Alten Schule.
 
Abschließend zur Entstehung des Begriffs „Alte Schule“.
Dieser wurde von Lehrern, Schülern und Eltern geprägt, als im Jahr 1931 die Reformschule in der Vogelsdorfer Straße gebaut wurde. Seither heißt es im Volksmund „Alte Schule“ und „Neue Schule“.
Die Schulleitung stellte den Schulbetrieb mit Beginn der Sommerferien 2002 ein. Danach stand die Alte Schule leer.

 
Wie es dann weiterging lesen Sie bitte in dem folgenden Artikel UNSER MUSEUM

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