Hugo Höppener – Fidus

Fidus

Lebenslauf des Künstlers Fidus
 (1868 – 1948)

 

1868  Hugo Reinhold Karl Johann Höppener wird am 8. Oktober als Sohn des Konditors Julius Höppener und seiner Frau Camilla, geb. Stender, in Lübeck geboren.
1870  Im Kindesalter erkrankt er an einem Impfschaden. Die Krankheit – Lupus – äußert sich durch ein offenes Beinleiden. So beschäftigt sich Hugo,der deshalb oft bettlägerig ist, von klein auf mit Lesen, Bilder betrachten und Zeichnen.
1878  Ab diesem Jahr ermöglichen seine Eltern dem kleinen Hugo privaten Zeichenunterricht an der Realschule.
1886  Als Jugendlicher lernt er die bekleidungs-reformerischen Ideen des Wollners Gustaf Jäger kennen und übernimmt diese Art der natürlichen, antimodischen Wollbekleidung. Die Haare trägt er lang.
1887  Beginn eines Studiums an der Kunstakademie in München unter Professor Gysis. Schon nach einem Vierteljahr unterbricht er das Studium, um sich dem als Kohlrabiapostel bekannten Maler und Lebensreformer Karl Wilhelm Diefenbach anzuschließen, der unter abenteuerlichen Umständen eine Art urkommunistische Lebensgemeinschaft in einem Steinbruch bei Höllriegelskreuth im Isartal südlich von München um sich schart.
1888  Wegen Freikörperkultur wird die Gruppe denunziert, angeklagt und verurteilt. Für den erkrankten Diefenbach tritt Fidus eine zehntätgige Freiheitsstrafe an und vollendet auch Diefenbachs Werk „Per Aspera ad Astra“. Der verleiht ihm dafür den Namen FIDUS, der Getreue.
1889  Fidus kehrt zum Studium an die Kunstakademie nach München zurück.
1890  Fidus macht verschiedene Kuren und besiegt nach einer Operation die Krankheit. In München lernt er den Theosophen Wilhelm Hübbe-Schleiden kennen, der die Zeitschrift „Sphinx“ herausgibt. Fidus arbeitet für die Sphinx als Illustrator.
1892  Hübbe-Schleiden und Fidus siedeln nach Berlin über. Hier findet Fidus Kontakt zu vielen anderen Künstlern, wie dem Friedrichshagener Dichterkreis, und wird bekannt als Buch-Künstler.
1893  Fidus lernt Amalie Reich kennen und lieben. Mit ihr wird er später in „ideal-freier“ Ehe (ohne Trauschein) zusammen leben und die Tochter Hilde haben.
1894  Fidus erreicht seine kreativste Schaffensperiode. Durch Architekturzeichnungen, Buchillustrationen, Exlibris, Gebrauchsgrafik, Werbung und anderes wird er zunehmend bekannt und ernst genommen. Seine Bilder erscheinen in der Münchner Jugend, im Simplicissimus, der Sphinx und anderen Publikationen. Sein Atelier richtet er in einer noblen Adresse gegenüber dem Berliner Zoo ein. Es folgt eine Nordlandreise, von der er neue Eindrücke mitbringt.
1899  Die Beziehung mit Amalie Reich geht auseinander.
1900  Fidus heiratet Elsa Knorr, macht eine Hochzeitsreise nach Norwegen und siedelt nach Friedrichshagen bei Berlin über. Es kommt zu einer zunehmenden Ideologisierung im Dienste lebensreformerischer Bestrebungen. Im Dezember wird Tochter Drude geboren.
1902  Sohn Holger wird geboren. Die erste Monographie über Fidus und sein Werk von Wilhelm Spohr erscheint im Verlag VBruns.
1903  Fidus hält erste Lichtbildervorträge zu seinem Werk mit eigens von ihm mit Farbe und Lack colorierten Glasplatten, u. a. zu seiner Tempelkunst. Um eine Tempelsiedlung zu verwirklichen, geht Fidus in die Schweiz. Das hehre Vorhaben am Walensee scheitert jedoch.
1907  Fidus beginnt seinen Atelierbau in Woltersdorf, Ortsteil Schönblick, den er selbst entworfen hat.
1908  Freunde ermöglichen mit großzügigen Krediten und Schenkungen den Anbau eines Wohntrakts an das Atelier. Hier im Fidushaus lebt der Künstler bis an sein Lebensende 1948.
1909  Elsa Fidus zieht mit den Kindern Drude und Holger ins Fidushaus ein. Mit ihr kommt eine eine Freundin, die Schriftstellerin Gertrud Prellwitz.
1912  Nachdem infolge einer Fastenkur im Fidushaus der Pastorensohn Georg Bauernfeind starb, wird der zu gründende Tempelbund nach ihm „Sankt -Georgs-Bund“ benannt.
1913  Fidus nimmt am „Freideutschen Jugendtag“ auf dem Hohen Meißner teil und entwirft hierfür verschiedene Motive und Werbepostkarten.
1915  Der erste Weltkrieg setzt dem Kreis schwer zu. Mitarbeiter und Getreue fallen. Fidus Frau Elsa stirbt an einem Herzleiden. Gertrud Prellwitz zieht aus. Der Umsatz geht zurück. Fidus zeichnet nun patriotische „Germaniamotive.
1918  Fidus Tochter Drude stirbt. G. Prellwitz schreibt danach einen dreiteiligen Druderoman, der in Wandervogelkreisen weite Verbreitung findet. Fidus versucht den Vertrieb seines Verlages mit Reproduktionen seiner Werke anzukurbeln. Teilweise verkauft er auch Werke gegen Naturalien, zum Beispiel einen Sack Zucker.
1922  Fidus heiratet seine zweite Frau Elsbeth, geb. Lehmann-Hohenberg, eine Studienfreundin seiner Frau Elsa, die er aus der Akademiezeit kennt. Im Verlag hat Fidus wieder Helfer, klagt aber, dass er seinem Schaffen zu wenig Zeit widmen kann, da ihn täglich Anfragen, Besucher u. ä. von der künstlerischen Arbeit abhalten.
1925  Die zweite Monographie erscheint: das „Fiduswerk“ von Arno Rentsch.
1926  Fidus schafft Reliefs für das Gefallenendenkmal in Woltersdorf und spendet sie der Gemeinde.
1928  Zu Ehren von Fidus 60. Geburtstag findet eine große Ausstellung zu Fidus Gesamtwerk statt, die von seine Freunden und Anhängern getragen wird.
1932  Die Weimarer Republik hat abgewirtschaftet. Auch Fidus hofft – nicht zuletzt – auf Aufträge der NS-Bewegung, deren Führer ja Kunstmaler, Vegetarier und (tragischerweise) auch Politiker war. Er tritt in die NSDAP ein.
1937  Fidus erkennt die Wesensverschiedenheit seiner Ideale und der des Regimes. Die „Rasserassler“ (Fidus) haben nur wenig Interesse an seinen Werken. Er darf weiter wirken, wird aber teilweise von staatlichen Organen boykottiert.
1938  Fidus feiert seinen 70. Geburtstag im Kreise seiner Freunde und Anhänger.
1941  Fidus erhält einen Auftrag: Er soll „Das Haupt des Führers“ zeichnen, was er auch macht. Der Entwurf wird von staatlicher Seite nicht genehmigt.
1943  Trotz widersprüchlicher Beurteilung seiner Person und seines Werkes erhält er zum 75. Geburtstag auf Betreiben einflußreicher Gönner den Titel „Prof. h. c.“ verliehen. Eine kleine Ehrenrente bessert seine schmalen Einkünfte auf.
1945  Fidus erlebt das Ende des zweiten Weltkrieges in Woltersdorf. Bald zeichnet er für die neuen Herrscher und ihre Friedensfeiern Stalinporträts, für die er Lebensmittel erhält.
1948  Bis zuletzt geistig rege macht sich Fidus noch Gedanken um die zukünftige deutsche und europäische Ordnung. Am 23. Februar stirbt er in seinem Woltersdorfer Haus. An der Trauerfeier nehmen zahlreiche Freunde und Anhänger teil, sein Tod wird in weiten Kreisen mit Ergriffenheit zur Kenntnis genommen. Danach gerät er zunehmend in Vergessenheit. Seine letzte Ruhestätte findet er auf dem Woltersdorfer Friedhof im Familiengrab.
  Autor : Wolfgang Funkhauser
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