Geschichte des Vereins bis 1927

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde unser Verein mit dem Namen Woltersdorfer Verschönerungsverein Kranichsberg aus der Taufe gehoben. Das war zu dieser Zeit nichts besonderes. An allen Ecken und Enden entstanden solche Vereine, gegründet von wohlhabenden Bürgern des jeweiligen Ortes. Doch mit unserem Verein verhielt es sich anders. Er wurde nämlich fast ausschließlich  von Berlinern gegründet, die sich an Wochenenden hier aufhielten. Zwölf Männer bereiteten am 13. September 1884 im Restaurant Interlaken  die Gründung des Woltersdorfer Verschönerungsvereins vor.

LogoAm 20. September 1884
wurde auf der Vorstandssitzung der „Verschönerungsverein zu Woltersdorf, Woltersdorfer Schleuse und Woltersdorfer Kietz“ gegründet. Die Gründungsver-sammlung am 27. September nahm das vorgelegte Statut an.

Die Aufgaben der Vereins nennt §1:
Der Verein hat die Aufgabe, jede Gelegenheit zu benutzen, um den hiesigen Ort und seine Umgebung durch Anpflanzungen von Bäumen und Sträuchern, sowie durch Anlegen von Promenaden zu heben, und dadurch der landschaftlich schönen Lage mehr Geltung zu verschaffen.
Nach § 2 sollten sich die Mitglieder des Weiteren verpflichten, sämtliche öffentliche Anlagen – auch die Wegebäume – in ihren Schutz zu nehmen und jeden Frevel zur Anzeige zu bringen. Und: Der Vereinsvorstand soll es sich außerdem stets anlegen lassen, gute Beziehungen mit dem hiesigen Gemeindevorstand und den königlichen Forstverwaltungen von Rüdersdorf und zu Köpenick zu pflegen, damit diese ihre unentbehrliche Unterstützung dem Verein zuwenden, resp. erhalten.
Zur Vereinsleitung besagt § 3: Der Vereinsvorstand besteht aus einem Vorsitzenden, einem Schriftführer, einem Rendanten, und zwei Beisitzern………Derselbe wird in der Generalversammlung durch Stimmzettel auf zwei Jahre gewählt. Wiederwahl ist zulässig.

Der erste gewählte Vereinsvorstand war Herr Karl Kühne – Vorsitzender, Herr Rademacher – Schriftführer, Herr Rentier Schulz – Rendant  und die Herren Kelpien und Schläger – Beisitzer.

Mitgliederlisten aus dieser Zeit sind leider nicht mehr vorhanden, allerdings kann man davon ausgehen, dass die meisten Mitglieder sich nur am Wochenende in Woltersdorf aufhielten, da in der überarbeiteten Satzung von 1890 und 1900 folgender Satz zu finden ist: Generalversammlungen sind nur sonnabends abzuhalten. Diese Verfügung wird erst am 10. Juli 1927 gestrichen.

1887 hatte der Verein schon 100 und 1894 sogar über 200 Mitglieder. Das blieb stabil bis zum 1. Weltkrieg.

In dieser Zeit wurden zahlreiche Projekte in Angriff genommen. Im Jagen 175 in den Kranichsbergen wurden Wanderwege angelegt und Ruhebänke an besonders schönen Stellen errichtet. 1885 nahm man auch den 1. Aussichtsturm in Angriff, der dann 1886 schon zur Attraktion von Woltersdorf wurde. Auch die Liebesquelle entstand 1886 unter der Regie des Verschönerungsvereins. Die Teufelsbrücke westlich vom Aussichtsturm, leider heute nicht mehr vorhanden, führte 1889 über die Wolfsschlucht. 1888 pachtete man den nicht mehr benötigten Treidelweg am Nordufer des Flakensees. Der Weg wurde geebnet und  auf 3 Meter verbreitert, mit Kies aufgefüllt, sowie mit Ahornbäumen bepflanzt und diente den Erholungssuchenden nun als Strandpromenade. Auch das Ortsbild prägte der Verein mit. Als 1892 die Werderstraße angelegt wurde, pflanzte der Verein 136 Linden und legte Fußsteige an. Die Schleusenstraße, die gekrümmt über Berg und Tal lief,  wurde durch den Verschönerungsverein begradigt und geebnet und ebenfalls mit Linden und Akazien bepflanzt. Es folgte in der Brunnenstraße ein Bürgersteig und ein Ufersteig. Eine Dampferanlegestelle am Flakensee wurde gepachtet, die Woltersdorfer Landstraße ließ man 1887 eineben und mit Kies befahrbar machen. 1906 wurde dann noch ein Radweg angelegt und 1907 folgte die Beleuchtung. Man sieht, der Verein hatte viele Dinge schon sehr frühzeitig in Woltersdorf angeschoben.

Leider kam dann der Krieg und die Tätigkeit des Vereins damit fast zum Erliegen. 1924 ging es wieder voran. Man verbreiterte die Strandpromenade nun auf sieben Meter. 1927 zählte man wieder 86 Mitglieder die bis auf 10 alle aus Woltersdorf kamen.

 

Quelle: Woltersdorfer Hefte Nr. 3 „Am Anfang stand die Ruhebank“ (Bugge/Liebermann) vom Woltersdorfer Verschönerungsverein Kranichsberg e.V.

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