Ortschronistentag September 2011

Der Landkreis Oder-Spree lud wie jedes Jahr zum Tag der Ortschronisten und Heimatforscher ein. Diesmal standen Besuche der Orte Mönchwinkel, Kienbaum und Kagel auf dem Programm.

Der Tag begann mit dem Besuch des Heimatmuseums in Mönchwinkel. Nach einer kurzen Ansprache durch den Bürgermeister von Grünheide, Arne Christiani, konnten wir das mit viel Liebe eingerichtete Heimatmuseum besichtigen. Auch im Freibereich gab es aus dem landwirtschaftlichen Bereich manche Rarität zu sehen. Anschließend hielt Günter Kunert aus Mönchwinkel,  unter freiem Himmel, der Wettergott meinte es besonders gut mit uns, einen Vortrag zur Besiedlungsgeschichte der Region. Er war hochinteressant und brachte noch so manch neue Erkenntnis. Wer über die Besiedlungsgeschichte der Region mehr erfahren möchte, dem sei das Buch „Die Heideleute“* von Günter Kunert wärmstens empfohlen. Angeregt diskutierend setzten wir unsere Fahrt Richtung Hangelsberg fort. Im Bürgerhaus erwartete uns schon ein gutes und reichhaltiges Mittagessen, das vom Restaurant „Kienbaum“ geliefert wurde.

Gestärkt fuhren wir gegen 13:00 Uhr in Richtung Kienbaum weiter. Vor der Kirche wurden wir bereits von der Familie Kothe, die Führungen in der Kirche organisiert, erwartet. Das Kirchlein ist ein Kleinod mit einer sehr bewegten Geschichte, die bis zur Kaiserin Auguste Viktoria zurück reicht. Die Monarchin stiftete einst die Orgel und das Uhrwerk für die Kirchturmuhr. Das Bauwerk wurde aus Rüdersdorfer Kalkstein errichtet und 1908 geweiht. Kunstvolle Allegorien, die die damaligen Haupterwerbszweige des Ortes, Fisch-, Krebsfang und Bienenzucht darstellen, schmücken die Brüstung. Neben der Kirche steht ganz verborgen eine 800 Jahre alte Ulme. Obwohl der Stamm innen hohl ist, treibt er noch immer munter aus. Der knorrige Baum stand schon 200 Jahre bevor der Ort gegründet wurde. Die Einwohner hoffen, dass ihnen der Baum noch 100 Jahre und mehr erhalten bleibt. Die Tochter der Familie Kothe erzählte, dass sie als Kind in dem Baum hochgestiegen ist und dann in der Krone gesessen hat. Heute ist dieser Einstieg in den Baum verboten, um den Baum zu schützen. Kienbaum inspirierte Gerhard Hauptmann, die geheimnisvollen Brände der Jahre 1891, 1893, 1894 und 1896, in der Komödie, „Der rote Hahn“ zu würdigen. Ein Denkmal, ein roter Hahn, erinnert an die Brände, Gerhard Hauptmann und die Komödie.

Mit neuem Wissen versehen, machten wir uns auf den Weg nach Kagel. In der Alten Schule erwartete uns der Heimatverein. Bei Kaffee und frischgebackenem Kuchen erzählte uns Elisabeth Turowski, dass früher, vor 1887 einmal geplant war, dass der Oder-Spree-Kanal durch Kagel fließen sollte. Schon zu damaliger Zeit wurden die Auswirkungen auf die Umwelt untersucht und die Erkenntnisse gewonnen, dass die Risiken für die Landschaft, insbesondere Wälder, Seen, Tierwelt und Ackerbau zu groß wären. Die Aspekte, die wir heute Umweltschutz nennen, führten letztendlich dazu, dass der Plan verworfen wurde. Nach dem Vortrag konnten wir das Heimatmuseum, die Schmiede und die Kirche besichtigen. Das Konzept des Heimatmuseums, im Dachgeschoss keine Wände einzuziehen und alles offen zu gestalten, fand ich sehr interessant. Die Schmiede, mit ihren verrußten Wänden, gab einen guten Einblick in die damaligen Arbeitsbedingungen. Die Kageler Kirche bietet einen imposanten Anblick, innen eher sehr nüchtern, dem Zeitgeist folgend, gehalten. Es war es ein guter Tag, wir erfuhren Neues über unsere Nachbargemeinden und lernten einige interessante Zeitgenossen kennen.

Wir hoffen, dass nach Abschluss der Sanierungsarbeiten und der Wiedereinrichtung unseres Museums in der „Alten Schule“, dann die Ortschronisten auch wieder mal als Gastgeber begrüßen zu können.

Translate »