Fahrt Juni 2012

Fahrt des Verschönerungsvereins am 06. Juni 2012 in die Lausitz

Kalt ist es, heute am 06. Juni 2012 um 8:00 Uhr. Wir stehen in Woltersdorf am Thälmannplatz und warten auf unseren Bus. Pünktlich kam er, unser Busfahrer gab eine kurze Einführung über die Möglichkeiten die Sitze und die Luftdüsen zu verstellen und dann ging’s los.

Manfred Schiemann, unser Reiseleiter, stellte während der Fahrt die einzelnen Etappen der Tagesfahrt vor. Zum dritten Mal ging es in die Lausitz. Nach gut einer Stunde steuerte unser Fahrer den Ort Lichterfeld an. Lichterfeld bietet dem Besucher ein gewaltiges Besucherbergwerk, die Abraumförderbrücke F60. Die F60 gilt als die größte bewegliche technische Anlage der Welt. Der Koloss erstreckt sich über eine Länge von 600 Meter. Im Vergleich dazu, der Eiffelturm bringt’s nur auf eine Höhe von 324 Metern. Die Abraumbrücke wurde zwischen 1989 und 1991 von der Firma TAKRAF aus Lauchhammer gebaut, 11.000 Tonnen Stahl wurden von den Handwerkern Stück für Stück zusammengesetzt.

Bis zu 60 Meter mächtige Bodenschichten können in einem Rutsch abtragen werden. In einer Stunde schafft die Anlage 29.000 Qubikmeter Abraum. Nur kurz war die Brücke in Betrieb, schon nach 10 Monaten wurde der Tagebau aufgegeben. Sechs Jahre später, 1998 sollte die gigantische Anlage gesprengt werden. Die Gemeinde Lichterfeld-Schacksdorf kaufte im Dezember 1998 die F60, um die Sprengung zu verhindern. Im September 2000 besuchte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Anlage. Auf halber Höhe wurde dieser Besuch in einem Bild, dem sogenannten Kanzlerblick, festgehalten, das Bild ist dort immer noch zu sehen. Ab September 2001 begann die Flutung des, gleich neben der F60, neu angelegten Bergheider Sees. Im Mai 2002 wurde das mächtige Industriedenkmal als Besucherbergwerk freigegeben.

Vor dem Aufstieg in die F60, gab erst einmal ein kleines Frühstück. Daraufhin starteten die verschiedenen Gruppen. Die ganz Mutigen kletterten bis zur äußersten Spitze, hoch oben, in 80 Meter Höhe bietet sich ein fantastischer Rundblick über das sich entwickelnde Erholungsgebiet. Wir wurden die ganze Zeit von einem Führer betreut, der uns alles erklärte und jede Frage beantworten konnte. Zwei Stunden turnten wir durch die Masse von 11.000 Tonnen Stahl, dann hatten alle wieder festen Boden unter den Füßen und wir stiefelten zu unserem Bus.

Der Spargelhof in Sallgast war unser zweites Ziel, dort wollten wir eine Mittagspause einlegen. Vor dem Essen, ich verrat’s mal- es war sehr gut, hörten wir einen Vortrag der Geschäftsführerin. Der Spargelhof wurde 1992 gegründet. Die Anbaufläche für Spargel umfasst 15 Hektar und zwei Hektar für Erdbeeren. In der Saison werden bis zu 200 Arbeitskräfte beschäftigt. Vieles läuft vollautomatisch ab, das Spargelstechen ist nach wie vor Handarbeit. Der frisch geerntete Spargel wird gleich im Betrieb verarbeitet. Zuerst geht’s in eine Sortiermaschine, die verarbeitet bis zu 800 Kilo Spargel pro Stunde. Dabei wird jede einzelne Spargelstange fotografiert und nach Klassen eingeteilt. Die fertigen Kisten werden in eine Kühlzelle bei minus ein bis zwei Grad gelagert, damit der Spargel nicht rosa anläuft, sondern seine weiße Farbe behält. Einige Kunden, hauptsächlich Restaurants, wollen den Spargel gleich geschält, dafür hat der Hof eine Schälmaschine, die bis zu 500 Kilo Spargel in der Stunde schält. Als Letztes wird der Spargel verpackt und in alle Himmelsrichtungen geliefert. Soweit über Spargelhof unterrichtet, nahmen wir unser Mittagessen ein – Spargel satt -. Einige nutzten die Gelegenheit und deckten sich gleich mit frischem Spargel ein.

Weiter ging’s zur dritten Etappe, dem Seehotel in Großräschen. Es erwartete uns außer Kaffe und Kuchen das bekannte Fälschermuseum. Das Hotel liegt am künstlichen, durch den Tagebau entstandenen, Ilsesee. Hier bekamen wir eine Vorstellung, wie es einmal um das Besucherbergwerk F60 aussehen wird. Das Seehotel ist ein ehemaliges Ledigenwohnheim, das sehr komfortabel umgebaut wurde. Nach der Kaffeepause konnten wir uns im Fälschermuseum umsehen. Das Museum umfasst etwa 50 Werke der russischen Kunstkopisten Posin. Es befinden sich dort unter anderem Gemälde von Peter Paul Rubins, van Gogh, Matisse. Besonders beeindruckt haben mich zwei Bilder: „Die Nachtwache“ von Rembrandt und „La Gioconda“ von Leonardo da Vinci.

Es ging weiter, das Kunstgussmuseum in Lauchhammer wartete auf uns. Es befindet sich in einem 1890 erbauten Schulgebäude, das heute unter Denkmalschutz steht. Das Museum widmet sich der Geschichte des Kunstgusses in Lauchhammer, der dort seit dem 18. Jahrhundert bis heute praktiziert wird. Die Werke der Kunstgießerei sind in der ganzen Welt verbreitet. Das Museum beherbergt eine riesige Sammlung von Eisen-, Gips- und Bronzegüssen. In einem Ausstellungsdepot wird der historische Modellfundus der Gießerei gezeigt. Die Gussmodelle stehen dicht an dicht in Regalen, Lenin neben Friedrich den Großen, der wird angerempelt von Karl Marx und Leibnitz schaut interessiert zu.

Unser Reiseleiter drängelte, das Programm war diesmal sehr, sehr umfangreich. Mit dem Bus ging es zu den Biotürmen, ebenfalls in Lauchhammer. Aussteigen war von der Zeit her nicht mehr drin. Es gab nur eine kurze Erklärung: Die Biotürme sind ein Industriedenkmal und stehen seit 1996 unter Denkmalschutz, dadurch konnte ihr Abriss verhindert werden. Seit 2002 können die Türme von Besucher betreten werden. Von zwei verglasten Aussichtskanzeln aus kann der Besucher weit ins ehemalige Industrieareal schauen. Die insgesamt 24 Biotürme mit einer Höhe von 22 Metern entstanden 1957 auf dem Gelände der Braunkohlekokerei. Die damals mit Hochofenschlacke gefüllten Türme wurden mit phenolhaltigen (Phenol – veraltet Karbol) Abwasser der Kokerei berieselt, durch die Berieselung konnte es biologisch abgebaut werden.

Ziemlich geschafft kamen wir am Abend in Woltersdorf an, beim nächsten Mal werden wir uns auf etwas weniger beschränken.

Translate »