Otto Tade, wer war das?

Woltersdorf StrandpromenadeMein Spaziergang am Ufer des Flakensees stoppte, wie schon so oft, bei einem aufeinandergeschichteten Haufen Findlinge, dicht neben der Strandpromenade. Einer der Felssteine hat eine Inschrift, -Otto Tade -, mehr nicht.

Jedes Mal taucht dann die Frage auf, wer war Otto Tade? Ich machte mich auf die Suche, stieß dabei auf die Seite von Bernds-Journal. Zitat: „Meine Erkundung endet bei den am Weg aufgeschichteten Findlingen, die die Gedenkstätte für Otto Tade (+1919) sind. Den Aussichtsturm und die Strandpromenade verdanken wir dem Berliner Unternehmer.“

 

So richtig weiter brachte mich das nicht. Eines Tages, als ich nachdenklich vor dem Denkmal stand, sprach mich eine ältere Dame an. Sie hatte wohl mein Interesse an der Inschrift bemerkt und fing an zu erzählen: Dass hier ist der Tadeplatz und der Stein soll an Otto Tade erinnern.

Woltersdorf Otto TadeEr gehörte zu einer Gruppe von Männern, die Woltersdorf in das 20. Jahrhundert beförderten. Außer Otto Tade gehörten dazu noch Heinrich Polte, Hermann Busse, Gustav Janke, Max Staab und Bruno Wilhelmi. Sie waren Geschäftsleute, Fabrikbesitzer oder Großbauern.

Otto Tade war von 1897 bis 1899 sowie 1907 bis zu seinem Tod 1919 Vorsitzender des Woltersdorfer Verschönerungsvereins.

Sie verbanden Tradition und Heimatverbundenheit mit der beginnenden neuen technischen Zeit. Das verschlafene Bauerndorf Woltersdorf wurde durch ihre Tatkraft zu einem beliebten Ausflugsort umstrukturiert. Diese Gruppe entwickelte Ideen und setzte sie mit viel Geld in die Tat um, wovon Woltersdorf noch heute profitiert.

Straßen- und Bebauungspläne wurden erstellt und der Ort optisch auf Vordermann gebracht. Plötzlich gab es eine Müllabfuhr und ein Sprengwagen wurde angeschafft. Möglichkeiten zum Erholen entstanden, wie Dampferfahrten und neu angelegte Wander- und Promenadenwege.

Böse Zungen behaupteten, dass das ja nur schnöde Kapitalisten gewesen waren. Wer solches behauptet, sollte bedenken, dass diese Leute ihr Geld hätten profitabler anlegen können, als es in Woltersdorf zu stecken.

Bruno Wilhelmi war Geheimer Regierungsrat in Berlin. Hermann Busse, Heinrich Polte und Otto Tade besaßen Fabriken in Berlin. Max Staab nannte in Woltersdorf die größte Bauernwirtschaft weit und breit, sein Eigen. Gustav Janke war ein Millionär aus Berlin, der hier in Woltersdorf sein Hobby (?) betrieb.

Für diese großen Leistungen wurde für Otto Tade das Denkmal am Ende der Strandpromenade errichtet. Nach Bruno Wilhemi wurde eine Straße und nach Heinrich Polte ein Weg benannte. Heinrich Polte und Gustav Janke waren 1912/1913 führend am Straßenbahnbau beteiligt. Gustav Janke sponserte den Bau mit der damals ungeheuerlichen Summe von 60.000 Reichsmark. Ihm zu Ehren bekam der Platz gegenüber dem Straßenbahndepot den Namen Jankeplatz. Allerdings lange hieß er nicht so. Je nach gerade herrschender Diktatur hieß er mal Goebbelsplatz, mal Thälmannplatz.

Heutzutage, wir haben zur Abwechslung mal eine Demokratie, da könnte sich die Gemeinde auf das besinnen, was Gustav Janke für Woltersdorf (Wdf) tat. Das kann ich mir in Woltersdorf aber nicht vorstellen.

Nur auf die Straßenbahn, die er sponserte, darauf wollen die Woltersdorfer nicht verzichten.

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