Woltersdorf – offene Gartenpforte 2016

 Heidrun und Jürgen Wilke laden zu einem Besuch in ihren Garten ein.

Iris – das lächelnde Gesicht des Frühlings

Mit dem Vorfrühling, wenn Schneeglöckchen, Winterlinge und Krokusse zu blühen beginnen, zeigen sich auch die Zwergschwertlilien (Iris) in unserem Garten. Der Name Iris bedeutet Regenbogen, angesichts der Vielzahl der Blütenfarben eine zutreffende Wahl. Diese kleinen Kerlchen gehören zu der Familie der Schwertliliengewächse (Iridaceae). Die Gattung umfasst über 300 Arten und Tausende Sorten.
Der deutsche Name Schwertlilie ist aus botanischer Sicht irreführend, denn die Iris gehört nicht zu den Liliengewächsen (Liliaceae). Die Lilie im Wappen der Kapetinger/Bourbonen in Frankreich (Fleur-de-Lys) ist botanisch ebenfalls keine Lilie, sondern eine Iris. Alle Zwergiris sind im wesentlichen nicht viel höher als Krokusse (10-20 cm).
Im Herbst müssen die winterharten Zwergiriszwiebeln 5 bis 10 cm tief, am wirkungsvollsten in Gruppen, eingesetzt werden. Sie zeigen im folgenden Jahr ab Mitte Januar bis Ende März ihre Blüten. Zuerst erscheinen die Blütenknospen und später die dünnen lanzettartigen Blätter. Sie lieben einen durchlässigen, leicht alkalischen Boden und volle Sonne. Nach dem Austrieb kann sparsam mit mineralischem Dünger oder Naturdünger gedüngt werden.

Im wesentlichen unterscheiden wir Iris histroides, Iris reticulata, Iris histrio und Iris danfordiae. Aus diesen gibt es viele Kreuzungen bei den Kultivaren.

Iris histroidesDie Iris histroides wird manchmal auch unter dem synonymen Artnamen Iris reticulata var. histroides oder Iridodictyum histroides im Blumenhandel angeboten.
Sie hat ihre ursprüngliche Heimat an den Berghängen und Koniferenwäldern der Nordtürkei. Ein steiniger Untergrund ist typisch für diese Irisarten. Daher sind sie prädestiniert für den Steingarten, alpine Kalthäuser oder für Topfkulturen. Die häufig angebotene Sorte Iris histroides ‚George‘ mit purpurfarbener Blüte, ist ein Hybrid aus Iris histroides und Iris reticulata. Die Sorte Iris reticulata ‚Harmony‘ mit blaugelber Blüte, ist gleichfalls eine Kreuzung aus Iris reticulata und Iris histroides. Die Kombination aus Iris histroides und Iris winogradowii sind die Iris histroides ‚Frank Elder‘ und ‚Katharina Hodgkin‘ mit creme-weißen, azur- oder leichtblauen Blüten. Ähnlich sind in der Farbgebung die Sorten ‚Lady Beatrix Stanley‘ und ‚Sheila Ann Germany‘. Eine sehr interessante, aber selten angebotene Sorte, ist die Iris histroides var. sophenensis mit violett-blauer Blüte.

Die Iris reticulata, auch Netzblattiris genannt, weil sie mit einer netzartigen Hülle umgeben ist, stammt ursprünglich aus der Türkei, Iran, Irak, Südrußland und aus dem Kaukasus. Sie wächst dort auf den Bergwiesen und an steinigen Berghängen. Die Wildform ist leider in unseren Gärten nicht langlebig. Viele der angebotenen Sorten dieser Iris-Art sind Kreuzungen mit Iris bakerina, die eher in Weinanbaugebieten gedeihen als in unseren kälteren Regionen. In strengeren Wintern ist daher eine Abdeckung mit Reisig sinnvoll.
Die Blüten der Iris reticulata – Sorten zeigen eine Palette von Blautönen. Die Sorten ‚Alida‘ und ‚Kuh-e-Abr‘ haben ein sanftes Blau. ‚Blue Hill‘ und die Sorte ‚Fabiola‘ ein strenges violettes Blau. Dagegen blühen ‚Cantab‘ und ‚Clairette‘ mit einem blassen bzw. einem hellen Blau. ‚Gordon‘ erscheint mit einer lobelienblauen Blüte, ‚Harmony‘ und Joyce‘ besitzen eine porzellanblaue Blüte. Die Abstufungen gehen von Köningsblau (‚Pixie‘) über purpur-violett (‚Pauline‘, ‚Armenia‘ und ‚J.S. Dijt‘) bis Indigo Pflaume (‚Lovely Liza‘). Die Iris reticulata ‚White Caucasus‘ mit kristallweißer Blüte und ‚Sunshine‘ mit gelber sind herrliche Ausnahmeerscheinungen, aber auch sehr teuer. Diese Neuzüchtungen sind selbst bei Spezialisten kaum käuflich zu erwerben.
Zu den Raritäten zählt ebenfalls die Iris kolpakowskiana, deren Heimat das Tienshan Gebirge und Turkestan ist. Sie sind mit Iris reticulata eng verwandt.
Bewährte Sorten der Iris reticulata – Gruppe sind ‚Harmony‘ und die himmelblaue ‚Blue Veil‘. Alle vermehren sich über Brutzwiebeln äußerst langsam. Die Zwiebeln sollten im Herbst etwa 10 cm tief gepflanzt werden. Eine Abdeckung mit Laubmulch oder Nadelreisig ist empfehlenswert. Die schon erwähnte Iris histrio ssp. histrio mit ihren blauen Blüten, die aus der Südtürkei, Syrien und dem Libanon stammt, ist für unsere Gärten nicht geeignet. Nur die Sorte Iris histrio ssp. aintabensis soll etwas günstiger in unserem Klima sein.

Als erste Zwergiris blüht im Vorfrühling die duftende zitronengelbe Iris danfordiae. Diese kleine Art sollte an einem exponierten Platz gepflanzt werden, wo sie gut zu sehen ist und wo man ihren Duft wahrnehmen kann. In unserem Garten blühen insgesamt 10 verschiedene Zwergschwertliliensorten.

Kaum sind die Zwergschwertlilien verblüht, beginnt die Geweihiris (Iris bucharica) zu blühen. Diese ausdauernde Zwiebelpflanze bildet dichte Horste auf kalkhaltigem Boden. Sie blüht im April/Mai mit gelben duftenden Blüten. Sie sollte als Exotin bei den Gartenbesitzern mehr Beachtung finden.

Danach erscheint eine Vielzahl von rhizombildenen Schwertlilien (Iris sibirica , Iris germanica, Iris barbata eliator – Gruppe u.a.)

SchwertlilienAlle Irisarten stehen in freier Natur unter Naturschutz und sind in allen Pflanzenteilen giftig. Die Indianer Nordamerikas haben früher aus der Iris eine Droge hergestellt, um Gallenerkrankungen und Wassersucht zu lindern. Vor Selbstmedikation möchten wir dringend abraten! Besser ist es, wir erfreuen uns an den herrlichen Blüten, die uns die griechische Göttin des Regenbogens (Iris) alljährlich beschert. In diesem Jahr ist die Iris zur Staude des Jahres 2016 gewählt worden. Ihre enorme Farbenvielfalt brachte ihr den Namen „Orchidee des Nordens“ ein.

Autor: Jürgen Wilke

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